Prof. Dr. Michael Stausberg
Die Geschichte der kurdischen #Yezidi# hat sich bis vor wenigen Jahrzehnten beinahe exklusiv in einer ihnen feindlich gesonnenen islamischen (und teils christlichen) Umwelt abgespielt,vor allem in der Türkei, in Syrien, im Irak, in Iran und seit dem 19. Jh. auch in Armenien und Georgien. Als die Bundesrepublik 1961 einen Anwerbevertrag für sog. Gastarbeiter mit der Türkei abschloß und auch in der kurdischen Stadt Mardin ein Werbebüro für Arbeitskräfte eröffnet wurde, bot sich den Yezidi die Möglichkeit einer ganz legalen »Flucht« aus einer Umwelt, die sie in fast allen Lebensbereichen diskriminierte. Von dieser Möglichkeit ha-ben vor allem jüngere Yezidi Gebrauch gemacht. Als die Bundesregierung nach der Re-zession der frühen 70er Jahre (»Ölkrise«) 1973 einen Anwerbestopp für Gastarbeiter er-ließ, blieb vielen Yezidi nur noch der keineswegs unproblematische Weg über ein Asylver-fahren, um – vor allem nach dem türkischen Militärputsch von 1980 – dem Terror in ihrer Heimat zu entkommen. Derzeit leben ca. 20.000 Yezidi in der Bundesrepublik, ihrem wich-tigsten Fluchtland.2 Die migrationsbedingten Veränderungen in der Sozialstruktur und den Lebensbedingungen der Yezidi haben eine bislang kaum bewältigte Veränderung der Reli-gion zur Folge.[1]
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